Shon SoYoung

Stadt im Licht

Berlin hat gerade im letzten Jahrhundert stürmische Ereignisse erfahren. Zwei Kriege, die Zweiteilung der Stadt, dann die Wiedervereinigung und das Bemühen, die Stadt als Ganzes wiederzubeleben. Berlin beinhaltet diese Energie und man spürt eine große Dynamik. Anlaß einer großen Berliner Aktion 'die Rettung des Ruinenturms der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche', bin ich erst seit kurzem in Berlin wohnhaft, habe ich erfahren von welcher Bedeutung diese Ruine für Berlin ist. Seit siebzehn Jahren lebe ich in verschiedenen Städten in Deutschland. Mir wurde schnell bewußt, wie wichtig der Erhalt der Kirchen, Kathedralen, der Repräsentationsbauten und Profanbauten der Jahrhunderte ist, da diese Geschichte erfahrbar und anschaulich machen kann - geistige Orte, die Erinnerungen wachrufen können. In einem solchem Zusammenhang steht die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Dieser ruinöse Turm, welchen die Berliner nach dem Ende des zweiten Weltkriegs und der Zerstörung der Kirche haben stehen lassen, gibt Anlaß über die Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Krieges nachzudenken.  Die Berliner haben viel Mühe aufgebracht diese KIrche zu schützen und zu einem Symbol werden zu lassen.  Dieses Symbol ist jetzt in Gefahr, da es verfällt und Sanierungsarbeiten für ihren Erhalt notwendig macht. Korea hat im 20. Jahrhundert eine teilweise ähnliche Geschichte wie Deutschland erfahren, auch wenn sich die Ursache des Krieges und der Teilung des Landes nicht vergleichen lassen.  Dennoch ähnlich wie in Deutschland haben in Korea die Menschen ihr Land nach völliger Zerstörung wieder aufgebaut und haben zu wirtschaftlichem Wohlstand gefunden. Was im Westen Deutschlands 'das Wunder vom Rhein' genannt wurde, nannte man im Süden Koreas'das Wunder von Hangang'.  'Han' ist der Name eines Flusses in Süd Korea.

Ich bin 1967 in Seoul, Korea geboren worden, somit erst nach dem Krieg aufgewachsen. Den Krieg kenne ich nur aus Büchern und anderen Medien, aber auch durch die Erzählungen der Generation welche den Krieg noch erfahren hat.Nach meinem Studium der figürlichen Keramik an der Universität der Künste 'Hongik' in Seoul,  kam ich 1991 nach Deutschland und begann ab 1994 mein Studium der Malerei an der Kunsthochschule für Bildende Künste-Städelschule-Frankfurt a. M., bei Jörg Immendorff.  1995 ging ich dann an die Kunstakademie Düsseldorf.  Dort studierte ich zwei Jahre bei Fritz Schwegler bis ich dann schließlich, ab 1999 bis 2001 zu Jannis Kounellis kam.  Hier entdeckte ich eine intensive Auseinandersetzung in meiner Vorstellung der Malerei. Die Idee der Notwendigkeit als Voraussetzung künstlerischen Schaffens entsprach auch meiner Erfahrung. Damals beschäftigte ich mich noch mit dem Abbild des Menschen.  Gesichter und Haare waren Gegenstand meiner Malerei, der Mensch als ein zentraler Ausgangspunkt künstlerischer Auseinandersetzung. Der Mensch, wenn auch nicht als Abbild, bleibt mir in der Malerei in seiner geistigen Bestimmung als ein Zentrum erhalten.

In meinem Bildern erscheint ein großer Baum, Sinnbild dessen was im Kern eine große Lebensenergie beinhaltet und im Wandel wächst. Immer wieder halte ich die Dynamik fliegende Vögel fest, auch hier finde ich vitale Energie eines Kerns und seiner Entfaltung wieder - dies muß sich übertragen auf den Menschen und seiner Möglichkeit eines Willens nach Freiheit und Frieden. Der Vogel sammelt seine Energie und hebt in einem Moment ab zu seinem schwungvollem Flug. Meine Malerei soll jene Kraft eines Fluges wie in einem Adagio, Allegro, Allegro Vivace zum Erlebnis werden lassen.

Die zu entfaltene Energie setze ich um in meinen Bildern, dieStraße im Licht, die Nachtszene der Stadt.

Da ich meine Malerei als einen sehr lebendigen und vitalen Vorgang verstehe und mir die melodisch, schwingende Auseinandersetzung des Menschseins verdeutlicht, sind mir ein Phänomen wie es der Krieg eines ist, dem nichts vom menschlichem Bestreben zu eigen ist, nichts der Fähigkeiten des Menschen zum Ausdruck kommt, ein nicht zu akzeptierendes und grausames Mittel zwischenmenschlicher Konflikte. Somit habe ich einen große Sympathie für einen Ort, der die Idee und den Gedanken an Frieden und Freiheit wachrufen kann. Eine Teilnahme der Ausstellung zum Erhalt der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche wäre für mich sowohl aus geschichtlich, koreanischen Zusammenhang, vor allem aber aus einem humanem Respekt von großer Bedeutung.

So Young ShonSo Young Shon


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