Auktion

Rolf Biebl
"Turmroland"

Öl auf Leinwand
100 / 200 cm
2008


christoph baron


Der an der Kunsthochschule Weißensee und der Akademie der Künste der DDR ausgebildete Bildhauer Rolf Biebl wurde 1951 in Klingenthal geboren. Er war Meisterschüler bei Ludwig Engelhardt. Viele seiner Skulpturen finden sich im Berliner Stadtraum. Er lebt und arbeitet in Berlin. Seit nunmehr zehn Jahren widmet er sich auch der Malerei, um seine Themen umzusetzen. Die Figur des „Roland“ ist ein Sinnbild der Stadtrechte und steht für Schutz- und Freiheitsgeister. Rolf Biebl lernte West-Berlin als Stipendiat der Akademie der Künste Ost kennen, wenn er tageweise Ausstellungen im Westteil der Stadt besuchen durfte. Das Stadtbild um den Breitscheidtplatz, der ihn umgebende Konsum und die zerstörte Kirche als dessen Zentrum bestimmten stark sein Bild vom Westen, das er hier in „komprimierter Form“ wahrnehmen konnte. Die Wahl des „Roland“ als ein Symbol der Eigenständigkeit einer Stadt bekommt in diesem Zusammenhang einen vielschichtigen Beiklang. Die mit der Kultur des „Roland“ assoziierten „Stadtmauern“ waren im Falle West-Berlins kein Ausdruck seiner Wehrhaftigkeit gegen fremde Einflussnahme, sondern sie selbst waren die Einflussnahme und der Angriff auf die Freiheit. Die Folgen des Krieges finden sich auch in dieser Interpretation der Figur des „Roland“ wieder. Er trägt nicht mehr Rüstung, Schwert und Schild, sondern ist nackt. Sein ansonsten oft erhabener Gesichtsausdruck ist einer fast schmerzhaften Anspannung gewichen, die Miniatur der zerstörten Gedächtniskirche trägt er bei sich als ein Insignum der bösen Erinnerung an das 3. Reich. Die Spannung in der Körpersprache verrät, dass Biebls Roland seine äußere Kraft behalten hat, doch wurde seine innere Stärke und Würde in Mitleidenschaft gezogen – eine starke Metapher auf das Berlin der Nachkriegszeit.

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