Auktion

Angiola Bonanni
Souvenir Ashtray
Lack, Latex und Tempera auf Glas ("sous-verre")
25 Module a 30 / 30 cm gesamt 150 / 150 cm
2008


christoph baron


Geboren in Rom als Tochter eines Malers der Römischen Schule, studierte Angiola Bonanni Philosophie, die sie aber aus Liebe zur Bildhauerei aufgab. Nach zahlreichen Ausstellungen zog sie 1963 nach Spanien, wo sie bis heute lebt und arbeitet. Einen fast spielerischen Umgang mit den Bildebenen zeichnet Angiola Bonannis Ashtray aus. Der „Ebenen-Klassiker“ einer Abbildung der Abbildung wird hier auf besonders reizvolle, ja heitere Weise vorgestellt, denn das übergroß abg ebildete Abbild ist ein bekanntes Souvenir, ein Aschenbecher mit der KWGK darauf. Die Gegenüberstellung des erlebniskonservierenden touristischen Andenkens mit dem historischen und auch religiösen Gedenken, welches der Symbolik des Abbildes innewohnt, lässt Profanes und Erhabenes ineinander übergehen. Dieser in dem Souvenir zum Ausdruck kommende alltägliche Umgang mit dem Ehrwürdigen ist auch ein humorvoller Kommentar zur „Praxis“ des Gedenkens. In den vier Ecken des in Hinterglasmalerei gefertigten Bildes sind drei Szenen aus der Geschichte der Gedächtniskirche, (interessanter Weise ähnlich der Arbeit von Baron): ursprüngliche Gestalt, Bomberangriff und Ruine, sowie ein Zahn – als Anspielung auf den Beinamen „Hohler Zahn“ des Ruinenturms – abgebildet. Wieder ist es das humorvolle Detail des Aufgreifens dieses Spitznamens, das die Ernsthaftigkeit der vorangegangenen Bilder bricht. Das Souvenir ist ein häufig wiederkehrendes Thema in der Arbeit von Bonanni. Durch die überdimensionale Präsenz des eigentlich Kleinen und die Wandlung des Darstellung-Kontextes gelingt Bonanni eine wundervoll-vielschichtig konzeptionierte Reflexion über Massenprodukte, die sich auf Kultur beziehen und wiederum zu Kultur werden, die sich auf das Massenprodukt bezieht.

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