Auktion

Rafael Mundi
Tiempo roto / Zerbrochene Zeit
Mischtechnik auf Papiermasse auf Leinwand
200 / 200 cm
2008


christoph baron


Geboren 1943 in Cáceres/ Spanien im selben Jahr, als die Zerstörung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche stattgefunden hat, zog der Maler Rafael Mundi nach seinem Studium nach London , wo er u.a. an der City & Guilds of London Art School unterrichtete. 1984 kehrte er nach Spanien zurück. Er lebt und arbeitet in Madrid. Rafael Mundis Bild Tiempo roto ist eine Hommage an den großen Paul Klee. Für Mundi steht Klee für den Menschen, der selbst angesichts eines schweren persönlichen Schicksals nie zulässt, dass der Optimismus seines Werkes gebrochen wird. So ist es keine naive Hoffnung, die hier zum Ausdruck kommt, sondern eine Grundhaltung, die dem Übel menschlicher Destruktivität und Ignoranz entgegen-gesetzt wird. Mundi äußert sich skeptisch über das Ritual der Zerstörung und des anschließenden Gedenkens in monumentaler Symbolik – ein Gedenken, dass keinerlei Auswirkungen zu haben scheint auf aktuelle kriegerische Konflikte. Diese bittere übergeordnete Sicht findet sich jedoch nicht in seinem Bild wieder. Auf einem Untergrund, der aus eingeweichtem Zeitungspapier, Kreide und Acryl gefertigt wurde, malt Mundi in einfacher Formensprache den Ruinenturm mit Strukturen von großer Zartheit. In dieses strukturelle Geflecht werden wie bei Klee die reichhaltigen themenbezogenen Symbole eingefügt. Der Vogel steht für die Freiheit, das Zeitungspapier des Untergrundes scheint an einigen Stellen durch und erinnert an Vielschichtigkeit der Vergangenheitsbeschreibung. Dem gegenübergestellt wird eine zerbrochene Uhr. Die Zeit und die Lehren die sie uns erteilt – oder erteilen sollte – kommen hier mit mannigfaltigen Assoziationen zum Ausdruck. Mundis Teilnahme an der Aktion zur Rettung des Ruinenturms der KWGK möchte er nicht als Aufrechterhaltung eines toten Gedenk-Rituals verstanden wissen, sondern als lebendige Solidarität mit den im und nach dem Krieg unschuldig Leidenden in Deutschland, denen er sich durch seine eigenen Erfahrungen unter dem spanischen Faschismus verbunden fühlt.

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