Auktion
Shon So Young
Stadt im Licht
Mischtechnik auf Nessel
200 / 200 cm
2008

Shon SoYoung wurde in1967 in Seoul geboren und studierte in Deutschland Malerei bei Immendorff, Schwegler und Kounellis. Ihre Sicht auf Deutschland und seine Geschichte ist geprägt von der Auseinandersetzung mit der jüngsten Geschichte Koreas, die ihr als Nachkriegsgeborene durch Aufzeichnungen und Erzählungen zugänglich wurde.
Shons Malerei durchlief eine Entwicklung zur verstärkten Abstraktion. Im Zentrum ihrer Malerei steht immer der Mensch in seiner geistigen Bestimmung und die ihm innewohnende Dynamik und Energie. Auf der abstrakteren Ebene werden transzendente Vorstellungen, die in einer religiösen Ausprägung oft auch trennenden Charakter haben, zum kulturübergreifenden Gemeingut. In der Formulierung dieser Vorstellungen durch Shon spiegelt sich jedoch ihr kultureller Hintergrund wider. Die Symbolik des Baumes, der für Lebensenergie steht, wird in ihren Bildern aufgegriffen und insbesondere die vitale Dynamik des Vogelflugs bestimmt ihr Sujet.
Der Vogelflug als interkulturell verständliches Symbol bringt durch die Umsetzung der innewohnenden Energie die Bestimmung des Vogels zum Ausdruck. In der Verwirklichung dieser Bestimmung definiert sich seine Schönheit. In der Zusammenschau mit dem materiellen Ausdruck des Krieges in seinem Zerrbild des Destruktiven, werden Schönheit und Hässlichkeit umgedeutet von einer ästhetischen Kategorie zu einer intuitiven Anleitung des menschlichen Ethos.
In ihrem Bild „Stadt im Licht“ spiegelt die auf die asiatische Kalligraphie referierende, kraftvolle Pinselführung Shons die neuerwachte Energie der Stadt nach dem Krieg wider, die den – in seiner Gegenständlichkeit bis zur Unkenntlichkeit zurückgenommenen – Ruinenturm umspielt und diesen wie eine abstrakte Narbe im Energiegewebe der Stadt erscheinen lässt.